Tee-Anbaugebiete der Welt: Eine Reise zu den Ursprüngen deines Lieblingsgetränks

Begleite uns auf eine faszinierende Reise zu den entlegensten Winkeln unserer Erde, wo das Klima, der Boden und die Leidenschaft der Menschen den Charakter deines Tees formen. Von den nebelverhangenen Gipfeln des Himalayas bis zu den vulkanischen Böden Japans entdeckst du hier die Geheimnisse hinter jedem Blatt. Tauche ein in die Welt der Aromen und finde heraus, wie die Herkunft den Geschmack in deiner Tasse bestimmt.

Das Terroir: Warum die Herkunft den Geschmack bestimmt

Wenn du eine Tasse Tee genießt, trinkst du weit mehr als nur ein aufgebrühtes Blatt. Du schmeckst die Erde, den Regen, die Sonne und die Höhenluft eines ganz bestimmten Ortes. In der Welt des Tees nennen wir dieses Zusammenspiel Terroir. Es ist das Fundament, auf dem die Qualität und die aromatische Vielfalt basieren. Ein Tee aus den tiefer gelegenen, feucht-heißen Ebenen von Assam wird immer eine völlig andere Seele haben als ein zarter First Flush aus den kühlen Hochlagen von Darjeeling.

Die Bodenbeschaffenheit spielt dabei eine zentrale Rolle. Mineralstoffreiche vulkanische Böden, wie man sie in manchen Regionen Japans findet, verleihen dem Tee eine fast schon cremige Textur und eine tiefgrüne Umami-Note. Im Gegensatz dazu sorgen die eher sauren, eisenhaltigen Böden in Teilen Chinas für die komplexen, oft fruchtigen oder blumigen Nuancen, die Kenner so sehr schätzen. Auch die Höhenlage ist entscheidend: Je höher die Teesträucher wachsen, desto langsamer gedeihen sie. Diese langsame Entwicklung gibt der Pflanze Zeit, konzentrierte Aromastoffe einzulagern, was zu einer außergewöhnlichen Geschmackstiefe führt.

Das Klima rundet das Terroir ab. Das Wechselspiel zwischen intensiver Sonneneinstrahlung am Tag und kühlen Nächten, oft begleitet von schützenden Nebelschleiern, schützt die Blätter vor zu schnellem Wachstum und bewahrt die empfindlichen ätherischen Öle. Wenn du dich für die Anbaugebiete interessierst, lernst du, die feinen Unterschiede zu lesen und deinen persönlichen Geschmackspfad durch die Weltkarte des Tees zu finden.

China: Die Wiege der Teekultur

China ist nicht nur das Mutterland des Tees, sondern auch das Land mit der wohl größten Vielfalt an Anbaugebieten und Verarbeitungsmethoden. Hier nahm vor über 5.000 Jahren alles seinen Anfang. Die chinesische Teelandschaft ist geprägt von jahrhundertealter Tradition, tief verwurzelter Spiritualität und einer handwerklichen Meisterschaft, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. In den verschiedenen Provinzen entstehen Tees, die so unterschiedlich sind wie die Landschaften selbst.

Fujian: Die Heimat des Weißen Tees und der Oolongs

Die Provinz Fujian an der Südostküste Chinas ist für Teeliebhaber ein wahres Paradies. Hier befinden sich die berühmten Wuyi-Berge, ein UNESCO-Welterbe, das für seine Steintees (Yan Cha) bekannt ist. Diese Oolongs wachsen in den Felsspalten der mineralreichen Klippen und entwickeln ein rauchiges, tiefes Aroma, das weltweit seinesgleichen sucht. Der legendäre Da Hong Pao ist nur eines der Juwelen aus dieser Region.

Doch Fujian hat noch mehr zu bieten. Im Norden der Provinz, in der Region Fuding, liegt der Ursprung des Weißen Tees. Hier werden die silbrigen Knospen des Bai Hao Yin Zhen (Silver Needle) unter der sanften Frühlingssonne getrocknet. Der Geschmack ist so zart und rein, dass er dich an einen Spaziergang durch einen blühenden Garten erinnern wird. Die feuchte Meeresbrise und die bewaldeten Hügel schaffen ein Mikroklima, das die Pflanzen sanft umhüllt und vor Stress schützt.

Yunnan: Uralte Bäume und der mystische Pu-Erh

Wenn du nach den Wurzeln des Tees suchst, führt kein Weg an der Provinz Yunnan im Südwesten Chinas vorbei. In den dichten Regenwäldern dieser Region stehen Teebäume, die mehrere hundert oder gar tausend Jahre alt sind. Yunnan ist die Heimat des Pu-Erh-Tees, einer fermentierten Spezialität, die mit dem Alter immer besser wird – ganz ähnlich wie ein guter Wein. Die rote Erde der Region ist extrem fruchtbar und verleiht dem Tee eine erdige, kraftvolle Note.

Das Besondere an Yunnan ist die Ursprünglichkeit. Viele Teegärten werden von ethnischen Minderheiten bewirtschaftet, die den Tee im Einklang mit der Natur ernten. Neben Pu-Erh ist die Provinz auch für ihre hochwertigen Schwarztees (Dian Hong) bekannt, die sich durch eine malzige Süße und goldene Knospen auszeichnen. Ein Schluck Tee aus Yunnan ist wie eine Reise in eine andere Zeit, voller Kraft und Geschichte.

Anhui und Zhejiang: Die Heimat der grünen Legenden

In den Provinzen Anhui und Zhejiang schlägt das Herz der Grüntee-Produktion. In Zhejiang, nahe der Stadt Hangzhou, wächst der wohl berühmteste Tee Chinas: der West Lake Longjing (Drachenbrunnentee). Die Blätter werden in großen Pfannen von Hand flach gedrückt und geröstet, was ihnen eine feine nussige Note verleiht. Das sanfte Klima rund um den Westsee bietet ideale Bedingungen für diesen kaiserlichen Genuss.

Anhui wiederum ist stolz auf seine nebelverhangenen Gebirge, wie das Huangshan (Gelbes Gebirge). Hier wächst der Huangshan Maofeng, ein grüner Tee, der für seine frische, florale Klarheit geschätzt wird. Die steilen Hänge sorgen dafür, dass die Teepflücken eine körperliche Höchstleistung ist, doch die Qualität des Ergebnisses rechtfertigt jede Mühe. Diese Regionen stehen für Eleganz und Perfektion in der Teekunst.

Japan: Präzision und die Ästhetik des Grüns

Japan hat die Teekultur zu einer Kunstform erhoben. Im Gegensatz zu China, wo viele Tees in Pfannen geröstet werden, setzt Japan fast ausschließlich auf die Dampferhitzung. Dieses Verfahren stoppt die Fermentation sehr schnell und bewahrt die leuchtend grüne Farbe sowie das frische, grasige Aroma der Blätter. Wenn du japanischen Tee trinkst, spürst du die tiefe Verbindung zur Natur und das Streben nach Perfektion.

Shizuoka: Tee im Schatten des Fuji

Shizuoka ist das größte Anbaugebiet Japans und produziert fast die Hälfte des gesamten japanischen Tees. Die Gärten erstrecken sich oft bis zum Fuße des Mount Fuji, was der Region eine atemberaubende Kulisse verleiht. Die Kombination aus vulkanischem Boden, reichlich Niederschlag und dem kühlen Küstenwind sorgt für robuste Pflanzen mit einem intensiven Aroma. In Shizuoka findest du eine riesige Auswahl an Sencha-Qualitäten, von alltagstauglich bis hin zu exklusiven Spitzen-Cuvées.

Uji und Kyoto: Das spirituelle Zentrum des Tees

Uji, in der Nähe der alten Kaiserstadt Kyoto, gilt als die Wiege der japanischen Teekultur. Hier wurden die ersten Teesträucher gepflanzt, die Mönche aus China mitgebracht hatten. Uji ist weltberühmt für seinen Matcha und seinen Gyokuro (Schattentee). Durch das Abdecken der Teesträucher mit speziellen Netzen vor der Ernte wird die Produktion von Chlorophyll und Aminosäuren angeregt. Das Ergebnis ist ein Tee mit einer unglaublichen Süße und einem tiefen Umami-Geschmack, der fast schon fleischig wirkt.

Kagoshima: Die Kraft des Südens

Auf der südlichen Insel Kyushu gelegen, profitiert Kagoshima von einem milden, subtropischen Klima. Die Region ist bekannt für ihre modernen Anbaumethoden und die Nutzung verschiedener Kultivare, die dem Tee ganz eigene Geschmacksprofile verleihen. Der aktive Vulkan Sakurajima sorgt regelmäßig für frische Asche auf den Feldern, was als natürlicher Dünger fungiert. Tees aus Kagoshima sind oft besonders spritzig und haben eine leuchtend grüne Tasse, die sofort gute Laune verbreitet.

Indien: Von den Gipfeln des Himalayas bis in den Dschungel

Indien ist einer der größten Teeproduzenten der Welt und steht für charakterstarke Schwarztees, die globale Berühmtheit erlangt haben. Die indische Teegeschichte ist eng mit der Kolonialzeit verknüpft, doch heute hat das Land seinen ganz eigenen Stil entwickelt, der Tradition mit modernem Unternehmertum verbindet.

Darjeeling: Der Champagner unter den Tees

Hoch oben im Norden Indiens, an den Ausläufern des Himalayas, liegt Darjeeling. Die Teegärten befinden sich auf einer Höhe von bis zu 2.000 Metern. Das kühle Klima und die steilen Hänge machen den Einsatz von Maschinen unmöglich; hier ist alles Handarbeit. Der First Flush, die erste Ernte im Frühjahr, ist berühmt für sein blumiges, fast muskatellerartiges Aroma. Der Second Flush im Sommer hingegen ist kräftiger, dunkler und besitzt eine wunderbare Süße. Ein echter Darjeeling ist ein Erlebnis für die Sinne und zeichnet sich durch seine Eleganz und Leichtigkeit aus.

Assam: Kraft, Malz und Fülle

Ganz anders präsentiert sich die Region Assam im Nordosten Indiens. Das Brahmaputra-Tal bietet ein heißes, feuchtes Klima – eine regelrechte Treibhausatmosphäre. Hier wächst die Varietät Camellia sinensis assamica, die deutlich größere Blätter hat als die chinesische Variante. Assam-Tee ist bekannt für seinen kräftigen, malzigen Geschmack und seine dunkle Farbe. Er ist die ideale Basis für den klassischen Ostfriesentee oder wird gerne mit einem Schuss Milch und Zucker genossen. Wenn du einen Tee suchst, der dich wach macht und Energie gibt, ist ein Assam genau die richtige Wahl.

Nilgiri: Die blauen Berge des Südens

Im Süden Indiens, in den Nilgiri-Bergen, wird ebenfalls hervorragender Tee produziert. Lange Zeit stand Nilgiri im Schatten von Darjeeling und Assam, doch das hat sich geändert. Die Tees aus dieser Hochlage sind spritzig, duftig und haben eine angenehme Fruchtigkeit. Sie sind weniger herb als Assam und weniger empfindlich als Darjeeling, was sie zu perfekten Begleitern für den ganzen Tag macht. Das milde Klima erlaubt es, hier das ganze Jahr über Tee zu ernten.

Sri Lanka: Die Vielfalt von Ceylon

Tee aus Sri Lanka ist unter seinem alten Namen Ceylon weltbekannt. Die Insel bietet eine erstaunliche Vielfalt an Geschmacksrichtungen, die je nach Höhenlage stark variieren. Man unterscheidet hier grob zwischen Low Grown, Medium Grown und High Grown Tees. Die Landschaften sind geprägt von sanften Hügeln, dramatischen Wasserfällen und einer üppigen Vegetation.

Nuwara Eliya: Die kühle Pracht

Nuwara Eliya ist das höchstgelegene Anbaugebiet Sri Lankas. Die kühle Bergluft sorgt dafür, dass die Teeblätter sehr langsam wachsen. Das Ergebnis ist ein Tee mit einer hellen, goldenen Tasse und einem sehr feinen, fast schon zarten Aroma. Er wird oft als der „Darjeeling Sri Lankas“ bezeichnet. Wer subtile Nuancen und eine feine Spritzigkeit schätzt, wird Tees aus Nuwara Eliya lieben.

Dimbula und Uva: Das Spiel der Winde

Dimbula im Westen und Uva im Osten der Insel sind bekannt für ihre saisonalen Qualitätsunterschiede. Die Monsunwinde spielen hier eine entscheidende Rolle. Wenn der Wind über die Berge weht, trocknet er die Blätter an den Sträuchern leicht an, was zu einer Konzentration der Aromen führt. Uva-Tees haben oft eine markante, fast exotische Note, die an Wintergrün oder Eukalyptus erinnert. Dimbula-Tees sind hingegen klassisch vollmundig und sehr ausgewogen – der Inbegriff dessen, was man sich unter einem guten Ceylon-Frühstückstee vorstellt.

Taiwan: Die Perfektion des Oolongs

Taiwan, das einstige Formosa, ist zwar klein, aber in der Welt des Tees ein Riese, wenn es um Qualität geht. Fast die gesamte Produktion konzentriert sich auf Oolong-Tees. Die Geografie der Insel mit ihren zentralen Hochgebirgen bietet ideale Bedingungen. Die Nebel, die die Hänge umhüllen, schützen die Pflanzen vor zu viel Sonne und halten die Blätter zart.

Besonders begehrt sind die High Mountain Oolongs (Gao Shan), die auf über 1.000 Metern Höhe wachsen. Sie haben einen unglaublich langanhaltenden Geschmack, der an Frühlingsblumen, Sahne und frisches Obst erinnert. Taiwan ist auch die Heimat des berühmten Dong Ding Oolongs und des einzigartigen Oriental Beauty, bei dem kleine Insekten die Blätter anknabbern, was zu einer ganz speziellen Oxidation und einem honigartigen Aroma führt. Ein Tee aus Taiwan ist immer ein Stück Handwerkskunst und ein Fest für die Sinne.

Tabelle: Die wichtigsten Anbaugebiete im Vergleich

Region Land Teesorte (typisch) Geschmacksprofil Höhenlage
Darjeeling Indien Schwarztee (First/Second Flush) Blumig, Muskateller, elegant Hoch (bis 2.000m)
Assam Indien Schwarztee Kräftig, malzig, würzig Tiefland
Uji Japan Matcha, Gyokuro, Sencha Umami, süßlich, grasig Mittel
Yunnan China Pu-Erh, Schwarztee Erdig, tief, komplex, malzig Mittel bis Hoch
Fujian China Weißer Tee, Oolong Zart, blumig, mineralisch Mittel bis Hoch
Nuwara Eliya Sri Lanka Ceylon Schwarztee Hell, spritzig, fein Hoch (ca. 1.900m)
Ali Shan Taiwan Hochland Oolong Cremig, floral, langanhaltend Hoch (über 1.000m)

Afrika: Die aufstrebenden Newcomer

Afrika wird oft unterschätzt, wenn es um Tee geht, dabei ist Kenia mittlerweile einer der größten Exporteure weltweit. Die meisten afrikanischen Tees landen in Teemischungen, doch in den letzten Jahren hat sich eine Szene für hochwertige Spezialitäten-Tees entwickelt. Die vulkanischen Böden im afrikanischen Hochland bieten fantastische Voraussetzungen für gesunde, kraftvolle Pflanzen.

Kenia: Kraftvolle Tees vom Äquator

Die Teegärten in Kenia liegen oft in extremen Höhen, was zu einer hohen Konzentration an Antioxidantien führt. Kenianische Schwarztees sind für ihre leuchtend rote Farbe und ihren kräftigen Geschmack bekannt. Besonders spannend sind die neuen „Purple Teas“ aus Kenia. Diese spezielle Züchtung hat lilafarbene Blätter und ist extrem reich an Anthocyanen, ähnlich wie Blaubeeren. Geschmacklich liegt der Purple Tea irgendwo zwischen Grün- und Schwarztee, mit einer ganz eigenen, fruchtigen Note.

Malawi und Ruanda: Qualität statt Quantität

Malawi ist das älteste Tee-Anbaugebiet Afrikas und bekannt für seine Experimentierfreudigkeit. Hier entstehen fantastische weiße Tees und handgedrehte Oolongs, die den Vergleich mit Asien nicht scheuen müssen. Ruanda wiederum hat sich durch staatliche Förderprogramme und ideale klimatische Bedingungen zu einem Produzenten von Spitzen-Schwarztees entwickelt, die durch ihre Reinheit und Klarheit bestechen. Wenn du über den Tellerrand der traditionellen Anbaugebiete hinausblicken möchtest, ist Afrika ein faszinierendes Feld.

Südkorea: Ein verstecktes Juwel

Südkorea hat eine sehr eigenständige und feine Teekultur, die im Westen noch viel zu wenig bekannt ist. Die Anbaugebiete liegen hauptsächlich im Süden des Landes, in Regionen wie Boseong, Hadong und auf der Vulkaninsel Jeju. Koreanische Tees werden oft zwischen den chinesischen und japanischen Stilen eingeordnet. Sie werden meist in der Pfanne geröstet, aber kürzer als in China, was ihnen eine nussige Süße bei gleichzeitiger Frische verleiht.

Besonders die Tees aus Hadong, die von wild wachsenden oder halbwilden Sträuchern stammen, sind unter Kennern hochgeschätzt. Die Erntezeitpunkte orientieren sich an traditionellen Feiertagen, wobei der erste Tee (Ujeon) vor dem ersten Frühlingsregen gepflückt wird. Er ist extrem selten und kostbar. Ein Tee aus Korea ist geprägt von einer tiefen Ruhe und einer sanften Kraft, die perfekt zu einem Moment der Achtsamkeit passt.

Weitere spannende Regionen der Welt

Tee wächst heute an Orten, an die man früher nie gedacht hätte. Wusstest du, dass es auf den Azoren (Portugal) die einzige kommerzielle Teeplantage Europas gibt? Das milde, feuchte Klima mitten im Atlantik erlaubt den Anbau von Schwarz- und Grüntee, der ganz ohne Pestizide auskommt, da es dort kaum natürliche Schädlinge für die Teepflanze gibt.

Auch in der Türkei, entlang der Schwarzmeerküste in der Region Rize, wird massiv Tee angebaut. Der türkische Tee ist ein fester Bestandteil der täglichen Kultur und zeichnet sich durch seine Robustheit und die tiefrote Farbe aus. Sogar in Ländern wie Australien, Vietnam oder Georgien gibt es ambitionierte Teeproduzenten, die die Vielfalt der Weltkarte des Tees ständig erweitern. Jede dieser Regionen bringt ihre eigene Geschichte und ihre ganz eigene Interpretation der Camellia sinensis hervor.

Nachhaltigkeit und Verantwortung im Anbau

Wenn wir über Anbaugebiete sprechen, müssen wir auch über die Menschen und die Umwelt sprechen. Tee ist ein Naturprodukt, und die Teepflanze reagiert empfindlich auf klimatische Veränderungen. Viele Plantagen setzen heute auf biologischen Anbau, um die Biodiversität in den Regionen zu erhalten und die Böden nicht auszulaugen. Das ist nicht nur gut für die Erde, sondern oft auch schmeckbar im Tee, da die Pflanzen ohne chemische Dünger langsamer und widerstandsfähiger wachsen.

Achte beim Kauf deines Tees auch auf Fair-Trade-Zertifizierungen oder Direkthandel. Direkthandel (Direct Trade) bedeutet, dass die Händler direkt mit den Teebauern in den Anbaugebieten zusammenarbeiten. Das stellt sicher, dass ein größerer Teil des Geldes bei den Pflückern und Produzenten ankommt. Wenn du weißt, dass dein Lieblingstee unter fairen Bedingungen entstanden ist, schmeckt er gleich noch einmal so gut. Die Reise durch die Anbaugebiete ist also auch eine Reise zu mehr Bewusstsein und Wertschätzung für das Handwerk hinter dem Produkt.

Wie wähle ich den richtigen Tee nach Anbaugebiet aus?

Die Auswahl kann bei der Fülle an Regionen überwältigend sein. Ein guter Weg ist es, sich an den eigenen Vorlieben zu orientieren. Liebst du es kräftig und würzig am Morgen? Dann schau dich in Assam oder in den Low-Grown-Regionen Sri Lankas um. Bevorzugst du die feine, blumige Eleganz für den Nachmittag? Ein Darjeeling oder ein chinesischer Grüntee aus Zhejiang könnten deine Favoriten werden.

Für Experimentierfreudige bieten sich Oolongs aus Taiwan an, die eine ganze Palette von cremig-süß bis fruchtig-herb abdecken. Wenn du Wert auf Gesundheit und Umami legst, sind die japanischen Schattentees wie Gyokuro oder ein hochwertiger Matcha aus Uji unschlagbar. Nutze die Herkunft als Kompass, um dich durch das Sortiment zu probieren. Du wirst feststellen, dass du mit der Zeit ein Gespür dafür entwickelst, welches Terroir am besten zu deiner aktuellen Stimmung passt.

Häufige Fragen zu Tee-Anbaugebieten

Welches ist das größte Tee-Anbaugebiet der Welt?

China ist insgesamt das größte Teeproduktionsland der Welt, gefolgt von Indien. Wenn man sich jedoch auf eine einzelne, zusammenhängende Region bezieht, ist Assam in Indien das größte Anbaugebiet der Welt. Dort werden gewaltige Mengen an Schwarztee produziert, der weltweit die Basis für viele Mischungen bildet.

Warum ist Tee aus Hochlagen oft teurer?

In Hochlagen wächst der Tee aufgrund der kühleren Temperaturen langsamer. Das führt zu einer geringeren Erntemenge, aber zu einer höheren Konzentration an Aromastoffen. Zudem ist das Gelände in den Bergen oft so steil, dass keine Maschinen eingesetzt werden können. Alles – vom Pflanzen über das Pflegen bis zum Pflücken – muss mühsam von Hand erledigt werden. Diese Kombination aus geringem Angebot, hohem Aufwand und außergewöhnlicher Qualität rechtfertigt den höheren Preis.

Gibt es auch Tee-Anbau in Deutschland?

Tatsächlich gibt es kleine, oft experimentelle Teegärten in Deutschland, zum Beispiel in der Nähe von Freiburg oder im Odenthal. Aufgrund des Klimas ist ein großflächiger kommerzieller Anbau der Camellia sinensis jedoch schwierig. Die meisten deutschen „Tees“ sind eigentlich Kräuter- oder Früchteinfusionen. Dennoch zeigen diese Projekte, wie anpassungsfähig die Teepflanze ist und wie groß die Leidenschaft der Teeliebhaber hierzulande ist.

Was bedeutet „Single Estate“ bei Tee?

Single Estate bedeutet, dass der Tee aus einem einzigen, spezifischen Teegarten stammt und nicht mit Tees aus anderen Gärten gemischt wurde. Das ist vergleichbar mit einem Lagenwein. Bei einem Single Estate Tee kannst du das spezifische Terroir dieses einen Gartens und die Handschrift des dortigen Teemeisters direkt herausschmecken. Diese Tees gelten oft als besonders hochwertig und authentisch.

Wie beeinflusst der Boden den Koffeingehalt?

Der Boden selbst beeinflusst das Koffein eher indirekt. Viel entscheidender ist der Nährstoffreichtum (besonders Stickstoff). Ein gut gedüngter Boden oder ein sehr nährstoffreicher vulkanischer Boden fördert das Wachstum der jungen Triebe. Da die Pflanze Koffein als natürlichen Schutz gegen Insekten produziert, enthalten diese jungen, zarten Triebe meist mehr Koffein als ältere Blätter. Auch die Beschattung (wie in Japan üblich) kann den Koffeingehalt erhöhen, da die Pflanze unter Stress mehr davon produziert.

Kann man Teeplantagen als Tourist besuchen?

Ja, in vielen Regionen ist der Teetourismus ein wachsender Trend. In Sri Lanka, Indien (besonders Darjeeling und Kerala) und Vietnam gibt es wunderschöne alte Herrenhäuser auf den Plantagen, die heute als Hotels dienen. Du kannst dort den Pflückerinnen über die Schulter schauen, die Fabriken besichtigen und an professionellen Tastings teilnehmen. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, eine tiefere Verbindung zu deinem täglichen Getränk aufzubauen.

Beeinflusst der Klimawandel die Anbaugebiete?

Leider ja. Der Klimawandel ist eine große Herausforderung für den Teeanbau. Unvorhersehbare Regenzeiten, längere Dürreperioden und steigende Durchschnittstemperaturen verändern die Erntezyklen und den Geschmack des Tees. In einigen Regionen müssen die Bauern bereits in höhere Lagen ausweichen oder widerstandsfähigere Kultivare pflanzen. Nachhaltiger Anbau und Klimaschutz sind daher essenziell für die Zukunft der Teekultur.

Welche Rolle spielt Wasser in den Anbaugebieten?

Wasser ist doppelt wichtig: Einmal für das Wachstum der Pflanze – Teesträucher brauchen viel, aber gut abfließendes Wasser (daher die Hanglagen). Zum anderen ist die Qualität des Wassers vor Ort entscheidend für die erste Verarbeitung nach der Ernte. In Regionen mit sehr reinem Quellwasser schmeckt man oft eine besondere Klarheit im Endprodukt. Wenn du den Tee zu Hause aufgießt, solltest du ebenfalls gefiltertes oder weiches Wasser verwenden, um die feinen Nuancen des Anbaugebiets nicht zu überdecken.