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Gesundheitstee – wirkungsloser Konsum?

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Viele Kräuter gehören zu Hausmitteln aus der sogenannten Naturapotheke. Die Einnahme soll Krankheitssymptome lindern oder sogar zur Gesundung führen. Allerdings ist der Beleg für eine solche Wirkung nicht immer gegeben. Vieles sind Erfahrungswerte.

Das gilt auch für Kräutertee, der ein sogenannter Gesundheitstee oder Arzneitee ist. Das bedeutet zugleich: Es ist kaum erweisen, dass diese Mischungen zu einem Effekt führen. Denn speziell bei Aufgüssen gibt es verschiedene Aspekte, die eine Wirkung eher unwahrscheinlich werden lassen. Das bedeutet nicht, dass es keine wirksamen Sorten geben kann oder alle Tees pauschal in die Kategorie Scharlatanerie gehören. Allerdings erfüllen viele Tees nicht die Anforderungen, um als Arzneitee verkauft werden zu dürfen.

Am Ende bleibt unabhängig davon der Genuss. Denn ein Pfefferminztee, ein Fenchel– oder Hagebuttentee haben angeblich einen Einfluss auf die Gesundheit. Sie schmecken unabhängig davon aber auch. Andere Aufgüsse von Kräutern aus der Gartenapotheke sind dagegen von fragwürdigem Geschmack. Doch, was bedeutet das nun im Einzelnen?

Registriernummer als erstes Anzeichen

So kurios es klingt. Ein Blick auf die Verpackung gibt einen ersten wichtigen Hinweis darauf, ob ein Aufguss wirksam sein könnte. Dabei sind drei grobe Varianten zu unterscheiden:

  • Lebensmitteltee: Hierbei handelt es sich um Sorten, die häufig im Supermarkt erhältlich sind. Diese Produkte unterliegen keiner Arzneimittelzulassung. Das bedeutet, es gibt keine wissenschaftliche Begleitung, ob eine mögliche versprochene Wirkung zutrifft. Allerdings handelt es sich klassisch um Kräuter- und Früchtetee, der in erster Linie wegen des Geschmacks konsumiert wird. Wichtiges Erkennungsmerkmal: Diese Sorten haben in der Regel keine Registriernummer auf der Verpackung. Ihre Zusammensetzung entspricht nicht dem Arzneibuch.
  • „Gesundheitstee“: Nennen wir die nächste Kategorie Gesundheitstee. Hierbei handelt es sich um Aufgüsse, denen teilweise seit Jahrhunderten ein Gesundheitseffekt nachgesagt wird. Allerdings gibt es überraschenderweise häufig keine oder nur sehr unzureichende wissenschaftliche Studien dazu. Es handelt sich oft um Erfahrungswerte. Diese Produkte sind teilweise im Supermarkt und Fachhandel, aber eher in Apotheken erhältlich. Wichtiges Erkennungsmerkmal: Diese Produkte zeigen eine aufgedruckte Registriernummer, die auf 99 endet. Das bedeutet: Dieser Aufguss hat eine Standardzulassung, die eine Arzneibuch-Qualität garantieren soll. Diese Zulassung prüft vereinfacht nicht die Wirksamkeit, sondern nur die Zusammensetzung der Kräuter.
  • Arzneitee: Bei der dritten Kategorie handelt es sich um Produkte, die eine Einzelzulassung als Arzneimittel erhalten haben. Diese Zulassung bedingt eine wissenschaftliche Studie der Wirksamkeit sowie eine daraus folgende exakte Zusammensetzung der Bestandteile. Diese Aufgüsse sind in der Regel in der Apotheke erhältlich. Erkennungsmerkmal: Die aufgedruckte Registriernummer endet auf 00.

Verpackung gibt weitere Hinweise

Ein weiterer Hinweis darauf, ob ein Tee eine Wirkung entfalten könnte, ist die Verpackung. Obwohl es wie Verschwendung und Verpackungswahn anmutet, sind wirksame Tees in Beuteln oder losen Portionen in der Regel besonders und einzeln verpackt. Alufolie, Kunststoff oder Dosen sind typische Erkennungsmerkmale. Eine versiegelte Packung mit offen darin liegenden Beuteln oder einer losen Menge deutet her darauf hin, dass dieser Aufguss ohne Arzneizulassung in den Handel kommt – und damit keine erwiesene Wirkung hat.

Die Sache mit der Verdünnung

Die Wirksamkeit von Gesundheitstees beruht darauf, dass – meistens – heißes Wasser die Inhaltsstoffe löst und diese in den Sud übergehen. Beim Trinken nimmt der Körper diese auf und sie gehen über die Verdauung an die Stellen, wo sie benötigt werden. Soweit die Theorie.

In der Praxis gibt es ein Problem: Verdünnung. Denn die meisten Kräuter enthalten zwar Wirkstoffe, beim Aufgießen lösen diese sich jedoch unzureichend im Wasser. Der Tee verdünnt diese also kräftig und senkt damit die Aufnahme der enthaltenen Anteile deutlich. Viele der möglicherweise wirkenden gewünschten Inhaltsstoffe bleiben jedoch in den Kräutern und werden beim Abgießen vom Tee getrennt. Dieses Problem sprach unter anderem Apothekerin Steinke im Gesundheitsmagazin Visite am 26. Januar 2021 an. Sie wies darauf hin, dass bei Schlafmitteln Naturprodukte hilfreich sein können, der Körper beim Trinken von entsprechenden Aufgüssen die benötigten Wirkstoffe wegen der Verdünnung aber nur in extrem geringer Dosis aufnehmen kann. Konzentrate und andere fertige Präparate sind wirksamer.

Problem: Schadstoffe und Gifte

Ein häufig unterschätztes Problem ist die Belastung von Kräutertees mit Schadstoffen und Giften. Beides kann die möglicherweise vorhandene positive Wirkung überlagern und zu ungewollten Nebeneffekten führen. Zum einen können Aufgüsse aus dem Handel durch Pestizide oder Schwermetalle belastet sein. Zum anderen enthalten viele als Heilkräuter bekannten Pflanzen einen hohen Anteil von Inhaltsstoffen, die auf den Körper giftig wirken können – glücklicherweise auch hier verdünnt.

Ein typisches Beispiel sind die Pyrrolizidinalkaloide. Das Bundesinstitut für Risikobewertung stellte bereits 2013 bei einer Untersuchung von Kräutertees fest, dass viele Produkte einen deutlich zu hohen Wert dieser Inhaltsstoffe aufweisen. Diese Pyrrolizidinalkaloide sind typische Bestandteile von Kräutern und gelten nachgewiesen als krebserregend.

Kräutertee als Medizin nicht erste Wahl

Als Fazit lässt sich festhalten: Echte Arzneitees mit nachgewiesener Wirkung sind selten. Kräutertee ist für viele Leiden ein klassisches Hausmittel. Belege fehlen jedoch überraschend häufig. Wer bei bestimmten Leiden einen gesundheitlichen Effekt erwartet, kann enttäuscht werden oder profitiert von einem Placeboeffekt. Risiken sind ebenso vorhanden.

Daher gilt: Wo ein Erkältungstee durch Hitze und Geschmack den Schleim lindert, ist der Genuss völlig in Ordnung. Darüber hinaus sind „echte“ Arzneimittel oder eine andere Konsumform einem Aufguss aus Kräutern aus medizinischer Sicht offenbar vorzuziehen. Das Trinken von Aufguss bleibt eher Teil der persönlichen Wellness.

Wie immer gilt: Ein Arzt sollte den Konsum von Aufgüssen begleiten, wenn diese aus gesundheitlichen Gründen getrunken werden. Das schließt auch Wechsel- und Nebenwirkungen besser aus. Wer vor dem Kauf einen Rat benötigt, kann auch in Apotheken nachfragen.

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