Hirtentäscheltee

von | 05. Januar 2017 | Kraut-Tee, Kräutertee

Fast jeder kennt das Hirtentäschel bzw. Hirtentäschelkraut (lateinischer Name: Capsella bursa-pastoris). Denn es wächst fast überall, sogar am Straßenrand. Allerdings wirkt es so unscheinbar, dass es als Unkraut fast übersehen wird. Es handelt sich jedoch um ein bekanntes Heilkraut. Ein schwedischer Naturforscher, namens Linné, erwähnte die Pflanze zum ersten Mal und gab ihr den Namen „bursa-pastoris“, was so viel heißt wie „Tasche“ und „Hirte“. Dies mag wohl von der Form der Samenkapseln kommen, die so aussehen wie der Geldbeutel eines Hirten. Da Kraut ist eine eigene Pflanzengattung und kommt aus der Familie der Kreuzblütengewächse. Man kennt es auch noch unter den Namen Herzelkraut, Blutwurz, Täschelkraut und Beutelschneider.

Herkunft

Das Hirtentäschel kommt ursprünglich aus Europa, wächst aber heute überall auf der Welt. Es kommt mit fast allen Böden zurecht und gilt als unverwüstbar. Die Pflanze wird bis zu 50 cm groß und blüht fast das ganze Jahr. Das führt dazu, dass Blüten und Früchte gleichzeitig an der Pflanze zu sehen sind. Es ist ein ein- bis zweijähriges Kraut und die Blütezeit reicht von April bis November. Die Blüten sind klein und weiß und die Früchte sehen aus wie kleine herzförmige Schoten. Von Mai bis Juli erntet man den oberirdischen, blühenden Spross, um ihn zu trocknen.

Mythen rund um das Heilkraut

Um das Hirtentäschel ranken sich viele Mythen und Geschichten. Zum Beispiel heißt es bei den Iren „Clappedepouch“ und ist eine Anspielung auf das Betteln von Kranken, die mit einer Glocke oder einem Klöppel an Straßenecken um etwas Geld bettelten. Auch wird der Pflanze nachgesagt, es solle ein schlechtes Jahr für die Bauern geben, wenn sie sich zu früh im Frühjahr zeigt, daher auch der Name Kummerblume. Hühner und Vögel mögen das Kraut sehr. Die Eier bekommen durch den Verzehr der Pflanze ein deutlich gelberen Eidotter und schmecken intensiver. In Amerika pulverisierten die Indianer die Blüten und Früchte und nahmen es gegen Kopfschmerzen. In Spanien wurde es zur Einleitung einer Geburt genutzt. Im Ersten Weltkrieg galt es unter Soldaten als Mittel bei Verletzungen. Auch im Mittelalter war das Hirtentäschelkraut schon beliebt: Es sollte gegen vereiternde Ohren und giftige Tierbisse helfen.

Wirkung

Hippokrates (460-377 v. Chr.) nutzte das Kraut ebenfalls schon als Heilmittel. Das setzt sich im Mittelalter fort und reicht bis heute. In der heutigen Naturheilkunde setzt man die Pflanze zum Stillen von Blutungen ein, da es eine zusammenziehende Wirkung zeigt. Gerade wegen der blutstillenden Inhaltsstoffe galt die Pflanze als eine der besten Heilkräuter, um starke Monatsblutungen bei Frauen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Das Heilkraut soll zudem eine blutreinigende und schmerzlindernde Wirkung haben und bei Harnwegsinfektionen helfen. Sogar rheumatische Beschwerden soll  es linden. Äußerlich kommt es unter anderem bei Krampfadern und Muskelbeschwerden zur Anwendung. Selbst bei Kreislaufproblemen soll das „Täschel“ wegen seiner durchblutungssteigernden Wirkung helfen.

Forscher haben festgestellt, dass die Pflanze zur Verringerung von Geschwüren beitragen kann. Zudem kann es möglicherweise bei träger Darmmuskulatur (Verstopfungen) auf natürliche Weise regulierend sein. Schließlich soll es bei Atemwegsinfekten helfen. In Asien hat man das Heilkraut sogar zur Behandlung gegen Malariasymptome genutzt.

Diese Wirkungen sind auf die verschiedenen Inhaltsstoffe zurückzuführen: Tyramin, Kalzium, Eiweiß, Disometin, Luteolin, Quercetin, Rutin, Senföle, Acethylcholin, Vitamin C, Gerbstoffe, Saponine, Kalium, Terpene sowie Cholin.

Wichtig: Teile der Pflanze gelten als giftig. Außerdem können die Inhaltsstoffe bei Schwangeren Wehen auslösen. Vor Einnahme sollten Sie in allen Fällen unbedingt Ihren Arzt um Rat fragen!

Zubereitung von Hirtentäscheltee

Um einen Hirtentäschelkrauttee zuzubereiten, nehmen Sie einen Teelöffel des Krauts auf eine Tasse Tee. Gießen Sie kochendes Wasser darüber und lassen Sie alles fünf Minuten ziehen. Gießen Sie alles ab. Dreimal pro Tag eine Tasse Hirtentäscheltee ist die Empfehlung.

Für Frauen mit Wechseljahresbeschwerden: Geben Sie einen Esslöffel voll des Krauts in eine Tasse mit kochendem Wasser. Lassen Sie alles abgedeckt sieben Minuten ziehen und seihen Sie dann ab. Trinken Sie jeden Tag zwei Tassen von dem Tee einen Monat lang, pausieren Sie dann einen Monat und beginnen von vorn.

Gegen Durchfall gibt es ein besonderes Rezept. Fertigen Sie einen Aufguss aus 20 g Hirtentäschel, 15 g Eichenrinde, Kamillenblüten, Blutwurzeln und 5 g Gänseblümchen. Alles wird zusammen vermischt. Geben Sie einen Teelöffel der Mischung in eine Tasse kochendes Wasser und lassen Sie alles sieben Minuten ziehen. Bis zu vier Tassen am Tag können bei akutem Leiden lindernd wirken.

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